Am 30. Juli ist der lettische Holocaust-Überlebende und Historiker Marģers Vestermanis im Alter von 100 Jahren in seiner Heimatstadt Riga verstorben. Vestermanis widmete sein Leben der Erforschung der Shoah sowie der Erinnerung an die ermordeten Jüdinnen und Juden seines Landes und gründete das Museum „Juden in Lettland“ in Riga.
Als letzter Überlebender des Rigaer Ghettos war er Zeitzeuge und Mahner zugleich.
Für das deutsche Riga-Komitee war Marģers Vestermanis von zentraler Bedeutung. Mit seiner Forschung und seinen persönlichen Erinnerungen machte er das Schicksal der während des Zweiten Weltkriegs aus Deutschland nach Riga deportierten Jüdinnen und Juden sichtbar und prägte die Erinnerungsarbeit der Mitgliedsstädte nachhaltig.
Auch die Gemeinde Nottuln, seit 2020 Mitglied im Riga-Komitee, trauert um ihn. „Mit Marģers Vestermanis verlieren wir eine herausragende Stimme der Erinnerung. Sein Lebenswerk verpflichtet uns, die Geschichte der nach Riga deportierten Menschen lebendig zu halten und Verantwortung für Demokratie und Menschlichkeit auch für die kommenden Generationen zu übernehmen“, erklärt Bürgermeister Dr. Dietmar Thönnes, der den hochbetagten Marģers Vestermanis während seiner Reise mit dem Riga-Komitee Anfang Juli noch kennenlernen durfte.
Wahre Größe zeigte Vestermanis, als er dessen gesamte Familie während der deutschen Besatzung bei den Massenerschießungen am Rigaer „Blutsonntag“ in Rumbula ermordet wurde, immer auch das Gespräch mit Deutschen suchte – ohne Verbitterung war er dazu bereit, trotz des unsäglichen Leids, welches seine Familie und er erleiden mussten.
Mit Marģers Vestermanis verliert Europa nicht nur einen bedeutenden Zeitzeugen, sondern auch einen großen europäischen Brückenbauer und Versöhner.
Sein Vermächtnis wird auch die Arbeit des Riga-Komitees weiterhin begleiten.
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Hüter der Erinnerung, Brückenbauer und Versöhner
Marģers Vestermanis hatte zentrale Bedeutung für das Riga-Komitee/Ein Nachruf