„Hier in Nottuln durfte ich in den letzten Jahren meiner Berufslaufbahn eine wunderbare Zeit erleben“, sagt Anne Frondziak. Die Polizeihauptkommissarin war sechs Jahre lang als Bezirksbeamtin in Nottuln eingesetzt. Am 27. Juli hat die 61-Jährige Dülmenerin ihren letzten Arbeitstag und geht in den wohl verdienten Ruhestand.
„Das alles werde ich wirklich sehr vermissen“, verlässt Anne Frondziak das Stiftsdorf mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Meine Arbeit hat mir immer großen Spaß gemacht“, weiß sie gerade die große Bürgernähe in ihrem Beruf sehr zu schätzen.
Die Tür des Bezirksdienstpostens in Nottuln steht immer auf – für spontane Besuche, für Gespräche zwischen Tür und Angel und auch für solche, in denen es um die Sorgen und Nöte der Bürger:innen geht.
Anne Frondziak, die vor allem das eigenständige Arbeiten in ihrer Dienststelle schätzt, steht gerne für solche Anliegen abseits von Einsätzen und Anzeigen zur Verfügung.
Genauso wie ihr Kollege, der Bezirksbeamte Jürgen Sicking, der seinen Dienst als Nachfolger von Wendelin Rölle seit Ende 2025 in Nottuln versieht.
Manche der Nottulnerinnen und Nottulner statten dem Posten, der dienstags und donnerstags besetzt ist, sogar sehr regelmäßige Besuche ab, berichtet die gebürtige Dinslakenerin vor einigen Tagen im Gespräch mit Bürgermeister Dr. Dietmar Thönnes und Dezernent Stefan Kohaus anlässlich ihrer offiziellen Verabschiedung durch die Gemeinde Nottuln.
„Wir sind sehr dankbar, dass wir Anne Frondziak als Bezirksbeamtin hier bei uns gehabt haben“, erklärt Bürgermeister Dr. Dietmar Thönnes. „Wir werden sie in ihrer sensiblen und zugleich klaren Art vermissen. Sie war eine Partnerin auf Augenhöhe und eine sehr geschätzte Polizistin bei den Vereinen und im öffentlichen Leben.“
Auch Anne Frondziak betont das gute Verhältnis zu den Bürgerinnen und Bürgern: „Man kennt sich und man schätzt sich gegenseitig.“
Immer wieder gehören auch Kinder zu den spontanen Besuchern des Nottulner Bezirksdienstes an der Stiftsstraße 4a. Gerne testen sie auch als ganze Kindergartengruppe mal die Einsatzbereitschaft des Polizeiautos – inklusive der Martinshornfunktion.
Frondziak begann ihre Ausbildung zur Polizistin 1991 in der Polizeischule Selm-Bork. „Damals war es noch eine schulische Ausbildung, heute beginnen die neuen Kolleginnen und Kollegen ihre Laufbahn direkt mit einem Studium“, erklärt die Polizeihauptkommissarin.
Zur Polizei zu gehen, war eigentlich ihr Plan B, wenn es mit dem Studium nicht funktioniert. „Ich habe in Essen angefangen, Biologie und Geschichte auf Lehramt zu studieren.“ Schnell war jedoch klar, dass es in den 1980er-Jahre keine großen Aussichten gab, nach dem Studium eine Stelle als Lehrerin zu finden. Viel zu viele Studierende strebten in diesen Beruf – das Wort „Lehrerschwemme“ war seinerzeit in aller Munde.
Anne Frondziak sattelte um, wurde Polizistin, arbeitete nach Ende ihrer Ausbildung erst in Köln und dann in Gladbeck im Ruhrgebiet – damals gehörte sie zu den wenigen Frauen im Polizeidienst. Um die Frage nach dem für sie prägendstem Erlebnis in ihrem Berufsleben zu beantworten, braucht Anne Frondziak keinerlei Bedenkzeit. „Diesen Einsatz, bei dem ich als junge Polizistin ein Revierderby zwischen Schalke und Borussia Dortmund begleitet habe, werde ich nie in meinem Leben vergessen“. Bevor das Fußballspiel überhaupt begonnen hatte, kam es im Hauptbahnhof Dortmund zu einer folgenschweren Messerstecherei. Das Opfer, ein zweifacher Familienvater starb noch im Zug, der drogenabhängige Täter konnte gefasst werden. „Meine Aufgabe war es, die Schalke- und die Borussiafans in dieser aufgeheizten Stimmung zu ihrem Ersatzzug zu bringen“, weiß Frondziak noch gut, dass ihr diese Situation absolut nicht geheuer war. Doch statt Schwierigkeiten zu machen, waren Borussen als auch Schalker wegen dieses tragischen Zwischenfalls so beeindruckt, dass die Rivalität zwischen den beiden Vereinen auf einmal gar keine Rolle mehr spielte – Anne Frondziak und ihre Kolleg: innen meisterten ihre Aufgabe ohne weitere Zwischenfälle.
Irgendwann kam bei ihr der Wunsch auf, von der Stadt aufs Land zu wechseln und sie stellte ein Versetzungsgesuch. Aber es sollte acht lange Jahre dauern, bis ihrem Gesuch stattgegeben wurde. 2015 wurde sie in die Wache nach Dülmen versetzt und kam damit unter die Fittiche des Dienststellenleiters Erster Hauptkommissar Rolf Werenbeck-Ueding. 2020 kam sie als erste Bezirksbeamtin überhaupt nach Nottuln.
Was für ein Unterschied zur quirligen Dienststelle im Ruhrgebiet: „Wir sind hier eine Landbehörde, bei der es wesentlich ruhiger zugeht“, sagt Anne Frondziak, die hier wie dort eine „unglaubliche Kollegialität“ erlebte und erlebt: „Ich bin überall mit offenen Armen aufgenommen worden. Es ist wie eine große Familie.“
Als eine ihrer letzten Aufgaben in Nottuln flankierte Frondziak das Jubiläums-Schützenfest in Schapdetten (17. bis 19. Juli) – wie schon im Mai das Schützenfest in Appelhülsen. Dort warteten die Appelhülsener:innen mit einer Überraschung für ihre Bezirksbeamtin auf: Anne Frondziak bekam einen dicken Blumenstrauß und ist nun Ehrenmitglied im Schützenverein.
Es ist offensichtlich, dass die Nottulnerinnen und Nottulner ihre Polizei zu schätzen wissen. Und die Nachfolgerin von Anne Frondziak, die in der nächsten Zeit ihren Dienst in Nottuln antreten wird, findet große Fußstapfen vor, die es zu füllen gilt.