Ein blauer Sticker mit einer durchgestrichenen gelben Krone – und ein klarer Vorwurf: „No King Thönnes“ und darunter der Hinweis „Nottulnsecrets – now“.
Diese Aufkleber sind an bislang zwei Stellen im Stiftsdorf gesehen worden. Einer davon pappt auf einem Gullydeckel neben dem Rathaus. Es war eine Verwaltungsmitarbeiterin, die den Bürgermeister darauf aufmerksam machte. Denn offensichtlich ist er ja der Adressat, an den sich diese Botschaft richtet. Der oder die Urheber/in ist bislang unbekannt. Und es scheint ganz so, als ob er oder sie mit den Stickern an die Demonstrationen anknüpft, die sich ab Ende vergangenen Jahres in Amerika unter dem Motto „No Kings” („Keine Könige”) gegen den US-Präsidenten Donald Trump formierten.
Diese Protest-Note treffe ihn zwar nicht direkt als Person, sagt Dietmar Thönnes. „Aber das Amt, welches ich ausübe, wird dadurch verunglimpft. Deshalb ist es mir wichtig, hier mal einzuordnen“, erklärt er, warum er die Sache mit den Stickern nicht einfach auf sich beruhen lassen möchte.
„Klar, wäre es eine Option, gar nicht darauf zu reagieren, aber das ist in diesem Fall nicht der richtige Weg“, meint der Rathaus-Chef – auch wenn dadurch die Gefahr besteht, dass diese Sticker nun erst recht überall zu sehen sind und so eine Aufmerksamkeit bekommen, die sie überhaupt nicht verdienen.
In Nottuln entscheide der Bürgermeister nicht allein, gibt Thönnes einen Einblick in das politische System der Gemeinde Nottuln: „Wir haben einen Rat mit 34 gewählten Mitgliedern. Meine Stimme ist dort genau eine von 35.“
Grundsatzentscheidungen – etwa zu Bauprojekten oder größeren Umgestaltungen – würden ausschließlich durch Mehrheitsbeschlüsse des Rates getroffen. Der Bürgermeister setze diese Beschlüsse um und leite die Verwaltung.
„Von einer Einzelentscheidung oder gar ‚Alleinherrschaft‘ kann keine Rede sein“, betont der Bürgermeisters.
Hintergrund dieses plakativen Kritikversuchs könnten vielleicht auch kontrovers diskutierte Themen der vergangenen Monate sein, mutmaßt der Verwaltungschef. Wie der Bau von Windkraftanlagen oder die Umgestaltung des Stiftsplatzes, bei der mehrere alte Eiben gefällt wurden. Beide Projekte seien zuvor intensiv in den Fachausschüssen beraten und im Rat beschlossen worden, so der Bürgermeister.
Den Vorwurf persönlicher Bereicherung im Zusammenhang mit der Windkraft weist Thönnes entschieden zurück. „Solche Unterstellungen sind haltlos und entbehren jeder Grundlage“, erklärt er. Gleichzeitig zeigt er Verständnis dafür, dass insbesondere die Fällung der Eiben die Bürgerinnen und Bürger emotional bewegt habe: „Solche Eingriffe in das Ortsbild lösen nachvollziehbare Reaktionen aus.“
Trotz dieser zugespitzten Kritik wirbt Bürgermeister Dr. Dietmar Thönnes für einen offenen Austausch: „Unsere Gemeinde lebt davon, dass wir miteinander sprechen – auch kontrovers, aber sachlich. Dafür stehen die Bürgermeistersprechstunden oder ,Politik vor Ort‘ zur Verfügung“. Und gerne auch ein persönliches Gespräch.
Zur Sticker-Aktion selbst sagt der Bürgermeister: „Der oder die Urheber haben durchaus kreativ und fantasievoll gearbeitet. Doch wäre diese Energie besser im direkten Dialog aufgehoben – meine Tür steht dafür offen.“
Die Aufkleber selbst kommentiert Thönnes abschließend mit einem Augenzwinkern: „Eine Krone habe ich im Rathaus jedenfalls noch nicht gefunden – und wenn: Sie steht mir sowieso nicht.“
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„Es gibt keine Krone im Rathaus“
Bürgermeister Dr. Dietmar Thönnes reagiert auf „No King-Sticker“-Aktion und rückt seine Rolle als Verwaltungschef zurecht