Nottuln wird den Weg in die Haushaltssicherung nicht vermeiden können. In seiner am Dienstag vor dem Gemeinderat gehaltenen Rede zur Einbringung des Haushaltes 2027 betont Bürgermeister Dr. Dietmar Thönnes, dass nun gemeinsam klare Prioritäten gesetzt und nachvollziehbare Entscheidungen getroffen werden müssten.
Ziel sei es, die finanzielle Handlungsfähigkeit der Gemeinde zu sichern und gleichzeitig notwendige Entwicklungen zu ermöglichen.
„Der Prozess, der vor uns liegt, wird wehtun“, erklärt Thönnes. Angebote müssten begrenzt, Standards abgesenkt und Aufgaben beendet werden. Zugleich müsse jede Maßnahme sorgfältig betrachtet werden: Welche Wirkung erzielt sie, welche günstigeren Alternativen gibt es und was muss künftig noch geleistet werden?
Kommunalfinanzen bundesweit unter Druck
Die schwierige Lage Nottulns ist kein Einzelfall. Deutschlandweit befinden sich die Kommunalfinanzen in einer historischen Krise. Nach vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes verzeichneten Gemeinden und Gemeindeverbände im Jahr 2025 ein Finanzierungsdefizit von 31,9 Milliarden Euro – den höchsten Wert seit der deutschen Vereinigung.
Auch der Kreis Coesfeld und die Nachbarkommunen stehen unter erheblichem Druck. Die elf Städte und Gemeinden im Kreisgebiet rechnen für 2026 mit einem gemeinsamen Defizit von rund 52 Millionen Euro. Der Kreis Coesfeld erwartet zudem für 2027 eine zusätzliche Belastung der kreisangehörigen Kommunen von rund 9,75 Millionen Euro.
„Diese Zahlen machen deutlich: Die finanziellen Schwierigkeiten Nottulns sind kein Einzelfall. Wir erleben eine strukturelle Krise der kommunalen Finanzen, die längst die gesamte Region erfasst hat“, so der Bürgermeister.
Den genauen Wortlaut seiner Rede zur Einbringung des Haushaltes finden Sie → an dieser Stelle.