Betreff
Kostensteigerungen im ÖPNV – Nachforderungen der RVM sowie Auswirkungen gestiegener Dieselpreise
Vorlage
117/2025/1
Art
Beschlussvorlage
Referenzvorlage

Beschlussvorschlag:

Die Ausführungen zur Kostenprognose werden zur Kenntnis genommen.


Sachverhalt:

Die Kosten für den ÖPNV steigen Jahr für Jahr (vgl. Vorlage 117/2025). Aktuell liegt eine weitere Rechnung der Regionalverkehr Münsterland GmbH (RVM) vor, welche zusätzliche Kosten verursacht und die bisherige Haushaltsplanung übersteigt. Gleichzeitig führen die Entwicklungen auf den Energiemärkten, insbesondere die Erhöhung der Dieselpreise im Zusammenhang mit den Kriegen insbesondere im Iran und im Nahen Osten zu weiteren, derzeit noch nicht abschließend quantifizierbaren Mehrkosten im ÖPNV.

1.    Nachforderung Betriebsjahr 2022

Die RVM übersendet jedes Jahr eine Vorschaurechnung für das laufende Jahr und einige Jahre später die Schlussabrechnung. Bis einschließlich 2023 wurden jeweils 90 Prozent der Vorschaurechnung bezahlt und für die verbleibenden 10 Prozent jeweils eine Rückstellung in Höhe von 40.000 Euro gebildet. Im März 2026 hat die RVM nun die Schlussrechnung für das Betriebsjahr 2022 in Höhe von rund 126.000 Euro übersandt. Neben den noch nicht gezahlten 10% der Vorschaurechnung führt insbesondere ein Berechnungsfehler der RVM bei der Ortslinie C85 zu der ungewöhnlich hohen Nachforderung. Ein Teilbetrag konnte aus anderen Budgetposten im Bereich „Nachhaltige Mobilität“ und „Klimaschutz“ gedeckt werden, für den verbleibenden Betrag wurde eine Stundung beantragt. Die Entscheidung hierüber steht noch aus.

Da derselbe Berechnungsfehler voraussichtlich auch die Abrechnung für das Betriebsjahr 2023 betrifft, ist mit einer weiteren erhöhten Nachforderung zu rechnen. Die RVM wurde gebeten, die voraussichtliche Höhe frühzeitig mitzuteilen, damit auch diese Belastung im Haushalt 2027 eingeplant werden kann.

Für die Betriebsjahre ab 2024 ist mit einer gewissen Entspannung zu rechnen. Es ist davon auszugehen, dass der Berechnungsfehler nicht mehr auftritt. Zudem werden seit 2024 100 Prozent der Vorschaurechnung gezahlt und zusätzlich jährlich 40.000 Euro als Rückstellung gebildet, um künftige Nachforderungen besser abfedern zu können.

2.    Erhöhte Dieselpreise

Unabhängig von den Abrechnungsfragen kommt es derzeit zu erheblichen Kostensteigerungen infolge der stark gestiegenen Dieselpreise. Die sicherheitspolitische Lage im Iran und im Nahen Osten hat zu massiven Energiekostensteigerungen geführt, die sich unmittelbar in deutlich erhöhten Dieselpreisen niederschlagen. Betroffen sind auch die Busunternehmen, die im Auftrag der RVM und des Kreises Coesfeld Leistungen im ÖPNV erbringen. Die RVM kalkuliert in einem „Worst-Case-Szenario“ (angenommen wurde ein Höchststand des Dieselpreises von 1,68 Euro bis Jahresende) mit zusätzlichen Kosten für den Kreis Coesfeld von rund 141.000 Euro. Ob dies angesichts der aktuellen Preissituation realistisch ist, kann seitens der Verwaltung nicht beurteilt werden. In einem daher noch nicht zu beziffernden Anteil werden diese Kosten an die Gemeinde Nottuln weiter gereicht.

In den Verkehrsverträgen des Kreises Coesfeld und in den Subunternehmerverträgen der RVM sind Preisgleitklauseln vorgesehen, die das Risiko von Energiekostensteigerungen grundsätzlich auf den Auftraggeber übertragen. Diese wirken jedoch zeitversetzt, da die Anpassung erst im Folgejahr rückwirkend erfolgt. Für die Unternehmen bedeutet dies, dass sie die steigenden Dieselpreise zunächst vorfinanzieren müssen, was zu Liquiditätsengpässen führen könnte.

Vor diesem Hintergrund erörtern die Münsterlandkreise (einschließlich der RVM) sowie die Stadt Münster derzeit Handlungsoptionen zur Liquiditätsstützung der Verkehrsunternehmen, etwa vorgezogene Ausgleichszahlungen oder zusätzliche Abschläge. Eine abschließende Beratung zum weiteren Vorgehen ist in der RVM-Kommission am 8. Juni vorgesehen. Über die dort getroffenen Entscheidungen und etwaige Auswirkungen auf den Haushalt wird in einer gesonderten Vorlage berichtet.


Finanzielle Auswirkungen:

Für das Betriebsjahr 2022 fordert die RVM rund 126.000 Euro nach. Davon konnten 40.000 Euro aus Rückstellung gezahlt werden, 42.000 Euro wurden aus anderen Budgetpositionen im Bereich „Nachhaltige Mobilität“ und „Klimaschutz“ umgeschichtet; für den verbleibenden Restbetrag (rund 44.000 Euro) wurde eine Stundung beantragt.

Durch die gestiegenen Dieselpreise entstehen weitere Mehrkosten. In einem „Worst-Case-Szenario“ kalkuliert die RVM für den Kreis Coesfeld mit Mehrkosten in Höhe von rund 141.000 Euro. Die konkrete Höhe des Nottulner Anteils und die Frage, wann diese Kosten fällig werden, hängt von den noch ausstehenden Beratungen in der RVM-Kommission sowie der weiteren Preisentwicklung ab.


Anlagen: