Beschlussvorschlag:
Der von der Verwaltung erarbeitete erste kommunale Wärmeplan der Gemeinde Nottuln wird beschlossen, vorbehaltlich notwendiger Einzelbeschlüsse. Die Verwaltung wird damit beauftragt, notwendige Schritte und in ihrer Zuständigkeit liegende Maßnahmen zur Umsetzung des Wärmeplans voranzutreiben und ihn als strategische Planungsgrundlage für eine treibhausgasneutrale, kosteneffiziente, nachhaltige Wärmeversorgung bis spätestens 2045 bei allen relevanten Prozessen und Entscheidungen zu berücksichtigen.
Sachverhalt:
Das
Wärmeplanungsgesetz verpflichtet die Gemeinde Nottuln zur Erstellung eines
Wärmeplans bis Mitte 2028. Der Rat hat sich durch den Beschluss zur Beantragung
von entsprechenden Fördermitteln schon im März 2023 zur Erstellung
entschlossen. Im November 2023 wurde das Büro „energielenker projects gmbH“
dafür engagiert. Die Auftaktpräsentation mit ersten Ergebnissen fand am
16.4.2024 im Ausschuss für Umwelt und Mobilität statt. Jetzt ist die Planung
abgeschlossen und der Abschlussbericht wird vorgestellt.
Aus
der Zusammenfassung:
„Der
Wärmebereich gilt als „schlafender Riese" der Energiewende. Die
Bereitstellung von Warmwasser, Raum- und Prozesswärme macht zusammen etwa die
Hälfte der benötigten Endenergie in Deutschland aus. Dabei fallen die
bisherigen Fortschritte im Wärmesektor im Vergleich zum Stromsektor gering aus.
Die langen Investitionszyklen bei baulichen und auch technischen Maßnahmen in
der Wärmeinfrastruktur bedingen die Trägheit der Wärmewende. In Anbetracht der
Tatsache, dass die heutigen Entscheidungen Auswirkungen bis weit in die Zukunft
haben, ist der Handlungsbedarf im Wärmesektor für das Erreichen der
Klimaschutzziele enorm. Den Kreisen, Städten und Gemeinden kommt bei der
Bewältigung dieser Herausforderungen eine enorme Bedeutung zu.
Die
Gemeinde Nottuln hat die vorliegende Wärmeplanung erstellen lassen, um die
damit verknüpften Aufgaben in Zukunft planvoll und zielorientiert anzugehen.
Die Wärmeplanung ist eine mittel- bis langfristige Strategie für die zukünftige
Entwicklung des Wärmesektors, um die Gemeindeentwicklung strategisch an den
beschlossenen Klimaschutzzielen auszurichten und systematisch die dafür
erforderlichen Weichenstellungen vornehmen zu können. Ziel ist es, unseren Teil
dazu beizutragen, die Bewohnbarkeit unseres Planeten zu erhalten.
In
die Betrachtung sind dabei sämtliche Arten der Wärmeerzeugung auf Basis
erneuerbarer Energien und Abwärme eingeflossen. Um dem Anspruch der Gemeinde
Nottuln an die Zielvision für das Jahr 2045 gerecht zu werden, sind alle lokal
verfügbaren Potenziale zur Wärmeversorgung berücksichtigt worden.
Die
hauptsächlichen Potenziale zur Wärmeerzeugung liegen vor allem auf dem schwer
quantifizierbaren Potenzial der Luft-Wasser-Wärmepumpen, sowohl als dezentrale
als auch aus zentrale Großwärmepumpen. Darauffolgend ist das Potenzial der
Geothermie zu nennen, welche entweder durch Sonden oder Flächenkollektoren
gehoben werden kann. Die lokalen Potenziale zur Stromerzeugung liegen
hauptsächlich im Ausbau von PV-Dachanlagen auf großen Gewerbedächern sowie PV-Freiflächenanlagen,
die in den planungsrechtlich privilegierten Bereichen in Appelhülsen, entlang
der Bundesautobahn 43 und der Bahnlinie Wanne-Eickel–Hamburg, errichtet werden
könnten. Weiteres Potenzial liegt im Ausbau der Windenergie.
Die
Nutzung von Wasserstoff zur Erzeugung von Raumwärme wird im Rahmen der
kommunalen Wärmeplanung aufgrund unsicherer Verfügbarkeit, unklarer
Preisentwicklung und hoher Nutzungskonkurrenzen nicht berücksichtigt. Zwar ist
eine Pipeline des geplanten Wasserstoff-Kernnetzes über das Gemeindegebiet
vorgesehen, mit einer möglichen Abzweigung zum Industriegebiet. Der primäre
Anwendungszweck wäre jedoch industrieller Natur. Für Raumwärme ist Wasserstoff
vergleichsweise ineffizient und auf absehbare Zeit – besonders in der treibhausgasneutralen
grünen Variante – sehr kostspielig. Elektrolyseur-Projekte existieren im
Gemeindegebiet bislang nicht, zudem muss der hohe Wasserbedarf berücksichtigt
werden. Diese Einschätzung könnte sich bei der Überarbeitung der Wärmeplanung
aufgrund neuer Erkenntnisse ändern.
Eine
Alternative in der dezentralen Wärmeversorgung könnte die Verwendung von Biogas
bzw. dessen Aufbereitung zu Biomethan darstellen. Dies ermöglicht den
Weiterbetrieb vorhandener Gaskessel ohne Investitionen in neue Infrastruktur.
Allerdings sind die aktuellen Produktionsmengen noch gering und auch für
Wärmenetze ist Biomethan eine wichtige Energiequelle. Eine
Produktionssteigerung unterliegt strengen bauplanungsrechtlichen Vorgaben und
Nutzungskonkurrenzen der Ausgangsstoffe. Um diesen Unsicherheiten Rechnung zu
tragen, wurden zwei Szenarien für die Wärmeplanung entwickelt: eines mit und
eines ohne Berücksichtigung von Biogas für die dezentrale Raumwärmeerzeugung.
Ein
wesentlicher Schritt zur Erreichung der Klimaziele ist der Neubau und Ausbau
von Wärmenetzen. Im Zuge der Gebietseinteilung konnten in Nottuln vorläufig 13
Gebiete festgestellt werden, für die ein Wärmenetz grundsätzlich in Frage
kommt. Als wahrscheinlich besonders geeignet erwiesen sich zwei Teilgebiete in
den Ortskernen von Nottuln und Appelhülsen. Diese Gebiete wurden als
Fokusgebiete detaillierter betrachtet, so wurden zusätzlich konkrete, räumlich
verortete Umsetzungspläne erarbeitet.
In
den beiden Zielszenarien, die für Nottuln erarbeitet wurden, kann durch eine
ambitionierte Gebäudesanierung und die Nutzung effizienterer Technologien zur
Wärmeerzeugung der Wärmebedarf um rund 10 % gesenkt werden, die
Treibhausgasemissionen können durch den Umstieg auf regenerative Wärmequellen
um 90 %, in Szenario A sogar um über 95 %, reduziert werden. Fossile
Energieträger wie Erdgas und Heizöl, die in der Gemeinde bislang hauptsächlich
genutzt werden, werden bis zum Jahr 2045 komplett substituiert.
Bei
der Zielerreichung hilft der gemeindespezifische Maßnahmenkatalog, der
Empfehlungen für zielführende Maßnahmen sowohl für Teilgebiete als auch
übergreifende Maßnahmen für die gesamte Kommune beinhaltet. Dabei werden
verschiedene relevante Handlungsfelder abgedeckt, bspw. die Koordination des
Ausbaus Erneuerbarer Energien oder die Durchführung von Machbarkeitsstudien für
Nahwärmenetze in den Wärmenetzeignungsgebieten.“
Die
Anlagen werden den Sitzungsunterlagen schnellstmöglich nachgefügt.
Finanzielle Auswirkungen:
Derzeit
keine. Weitere finanzielle Auswirkungen werden ggfls. im Rahmen notwendiger
Einzelbeschlüsse beschrieben.
Anlagen:
Anlage 1 – Abschlussbericht „Kommunale Wärmeplanung für
die Gemeinde Nottuln“ (wird nachgereicht)
Anlage 2 – Teilgebietssteckbriefe (wird
nachgereicht)
Anlage 3 – Link zu Detailkarten (wird
nachgereicht)
