Vom Ursprung des Dorfes Nottuln

Geschichtsblätter des Kreises Coesfeld 2020 mit einem Beitrag von Dr. Peter Ilisch zum Stiftsdorf Nottuln im Mittelalter und der frühen Neuzeit


Dr. Peter Ilisch (Mitte) veröffentlichte in den Geschichtsblättern des Kreises Coesfeld 2020 seine langjährigen Forschungen zum Dorf Nottuln im Mittelalter und der frühen Neuzeit. Historiker Christian Wermert von der Gemeindeverwaltung Nottuln (l.) und Bürgermeister Dr. Dietmar Thönnes (r.) freuen sich über den profunden Beitrag zum Stiftsdorf sowie über die gelungene Gesamtausgabe der Geschichtsblätter 2020, in dem insgesamt neun Autoren ihre Forschungen zur Geschichte im Kreis Coesfeld veröffentlicht haben. Foto: Gemeinde Nottuln

Sie hießen „In dem halben Mond“, „In der schwarzen Falke“, „In der Sonnen“, „Im weißen Roß“, „Im Schutzengel“ oder „Friedhof“ und gehörten zu den sogenannten Schildwirtshäusern im Nottuln des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Die Gaststätten waren gerade nach dem sonn- oder feiertäglichen Kirchgang ein beliebter Treffpunkt für die Nottulner Bevölkerung. Und das obwohl sie wie alle Wirtschaften dazu verpflichtet waren, an Sonn- und Feiertagen geschlossen zu bleiben.
Derartige Verstöße wurden eigentlich beim Sendgericht von der Äbtissin des Nottulner Stiftes  bestraft. Bei den Schildwirtshäusern schien sie allerdings ein Auge zuzudrücken.
 „Es sind keine Klagen gegen Schildwirtschaften überliefert“, schreibt Dr. Peter Ilisch in seinem Beitrag über „Das Dorf Nottuln im Mittelalter und früher Neuzeit“, der jetzt in den „Geschichtsblättern Kreis Coesfeld 2020“ erschienen ist.
Dr. Ilisch, wissenschaftlicher Referent des Landesmuseum in Münster i.R. und profunder Kenner der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Geschichte des Kreises Coesfeld, veröffentlicht darin seine jahrelangen Forschungen zum Dorf Nottuln.
Dafür durchforstete er unzählige Akten zum Stift Nottuln, arbeitete sich durch die Register der Willkommschatzung und des Status Animarum und bearbeitete Sekundär-Literatur wie zum Beispiel „Das (freiweltliche) Damenstift Nottuln“ von Wilhelm Kohl, dem früheren Direktor des Landesarchivs in Münster, der seine Forschungen dazu 2005 in der „Germania Sacra“ veröffentlichte. Auch bezieht sich Ilisch auf Beiträge des Nottulner Hans-Peter Boer.     

„Nottuln bezeichnet sich selber als Stiftsdorf. Das ist sicher berechtigt, bezieht sich aber nur auf das halbe Dorf“, schreibt Ilisch weiter, der in seinem Beitrag die weltliche Seite des Stiftsdorfes in den Blick nimmt. Insbesondere beschäftigt er sich mit dem nicht ganz spannungsfreien Verhältnis zwischen den Stiftsdamen und den Dorfbewohnern. Konnten die adeligen Stiftsdamen doch über die Jahrhunderte in Nottuln eine Dorfherrschaft aufbauen, denn schließlich lagen so gut wie alle Hausstellen auf dem Grund des Stiftes, einer seiner Einrichtungen oder seiner Höfe. Zudem war der Großteil der Dorfbewohner unfrei: Sie gehörten den Stiftsdamen und diese mussten bei allen wesentlichen Entscheidungen hinzugezogen werden.
Übrigens waren es in erster Linie die Wirte und Bierbrauer, die sich gegen die Herrschaft der Stiftsdamen auflehnten – zum Beispiel mit Verstößen gegen die Öffnungszeiten. Der Grund dafür liege darin, dass diese Berufsgruppen meist einen besseren gesellschaftlichen Status gehabt hätten, erläutert Peter Ilisch, der in seinem Beitrag außerdem untersucht, wovon das weltliche Nottuln, das eng mit den Stiftsdamen verwoben war, eigentlich lebte. Und noch etwas macht diesen Beitrag gerade für die Nottulner so interessant: In ihm finden sich viele auch heute noch bekannte Namen von Familien aus dem Stiftsdorf.

Neben Peter Ilisch veröffentlichen neun weitere Autoren ihre Beiträge in den Geschichtsblättern des Kreises Coesfeld 2020, die insgesamt 342 Seiten stark sind. Zu ihnen gehört auch der Landrat des Kreises Coesfeld: Dr. Christian Schulze Pellengahr stellt darin seine Forschungen zum „Daruper Altarbild“ vor.

Erhältlich sind die Geschichtsblätter des Kreises in der Buchhandlung Maschmann am Stiftsplatz 10 in Nottuln (Telefon 02502 1066) zum Preis von 12 € oder postalisch zu bestellen unter: info(at)kreisheimatverein-coesfeld.de .

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