Nottuln - ein kurzer Abriss zur Geschichte
Inmitten der Parklandschaft der westfälischen Bucht, im Kern des
Münsterlandes, liegt der romantische Ort Nottuln. Das Outfit wird entscheidend geprägt
durch den einzigartigen barocken Ortskern. Nottuln hat es verstanden, das Flair
historischer Epochen bis in die Gegenwart zu bewahren und zu pflegen - sowie den heutigen
Attributen wie z.B. jung, aktiv, dynamisch, attraktiv und modern gerecht zu werden.
Umfangreiche Siedlungsspuren im Nottulner Raum finden sich nachweislich aus der sog.
Rössner und vor allem auch aus Michelsberger Kultur (späte Mittelsteinzeit, um 4000 v. Chr.) in Stevern. Danach
dürfte der Großraum Nottuln mit seiner siedlungsgeschichtlichen Keimzelle in Stevern
einigermaßen kontinuierlich besiedelt gewesen sein.
- Wo Stiftsdamen zwar nicht mehr spuken, aber dennoch Charme versprühen.
Nottuln und das Stift haben ihren Ursprung im 9. Jahrhundert. Die alte Namensform "Nutlon" wird etymologisch von "Nusswald, Nussgehölz" hergeleitet. Die Nottulner Urpfarrkirche stammt vermutlich aus der Zeit des ersten münsterischen Bischofs Liudger und wurde mit dem ausgesprochenen fränkischen Martins-Patrozinium ausgestattet. Auch die Größe des Kirchspiels Nottuln, das Dorf und sieben Bauerschaften umfassend, lassen einen solchen Schluss zu.
Das Damenstift ist wenige Jahrzehnte später, um 860, zur Zeit des münsterischen Bischofs Liutbert gegründet worden. 1195 gestattete der Bischof von Münster der Äbtissin und dem Konvent, nach ihrem Belieben einen Priester als Archidiakon einzusetzen. Das Archidiakonat umfaste auch die heutigen Ortsteile Appelhülsen und Schapdetten. Die eigentliche Blütezeit des Klosters Nottuln begann im Spätmittelalter. 1493 gestattete Papst Alexander VI. den Nottulner Damen, künftig weiße statt schwarze Gewänder zu tragen, womit wohl auch die Umwandlung des Klosters nach der Augustinusregel in ein freiweltlich-adeliges Damenstift vollzogen wurde. Von nun an wurden nur noch junge Frauen aufgenommen, die rein ritterbürtig waren und dies bis in die vierte Generation nachweisen konnten. Zwischen 1527 und 1529 wurde die "vita communis", das gemeinsame Leben der Stiftsdamen, aufgegeben.
J.C. Schlaun und Nottuln - Barock in Westfalen
Westfalens größter Barockbaumeister, Johann Conrad Schlaun, hat in der Mitte des 18. Jahrhunderts mehr als nur Spuren hinterlassen. Der wohl schwärzeste Tag in Nottulns Geschichte war der 3. Mai 1748. Ein großer Brand - ausgelöst durch einen Ehestreit - hatte in Nottuln binnen kürzester Zeit rund 240 Gebäude vernichtet, ebenfalls zerstört wurden die alte Klosteranlage, das Kirchendach und der Kirchturm. Bereits sechs Tage nach dem Brand, am 9. Mai 1748, traf der Oberland-Ingenieur im Hochstift Münster und Generalmajor der Artillerie Johann Conrad Schlaun in Begleitung seiner Mitarbeiter in Nottuln ein, um den Neuaufbau zu ordnen. Längs der Ost-Westachse des ehemaligen Klosterbezirkes, die durch die Kirche und den Lauf des Nonnenbaches vorgegeben war, legte er mittig eine "Große Allee" an, auf die er alle Neubauten hin ordnete. Schlaun und seine Mitarbeiter haben bis zum Ausbruch des Siebenjährigen Krieges 1756 für Nottuln gearbeitet. Es hat sicherlich einen Gesamtplan gegeben, der vermutlich wegen fehlender Gelder nicht voll ausgeführt wurde. Dennoch hat Nottuln durch J.C. Schlaun ein barockes Outfit erhalten - das Flair vergangener Jahrhunderte ist noch heute prägend für den Ortskern. Vier bis heute erhaltene große Kuriengebäude entstanden und zählen zu den besonderen Sehenswürdigkeiten Nottulns:
1. Die Kurie der Familie von Ketteler,
2. Die Kurie von
der Reck,
3. Die Kurie der Familie von Droste zu Senden,
4. Die Aschebergsche
Kurie,
Im östlichen Bereich der Stiftsstraße lag der Verwaltungs- und Sozialbereich des alten Stiftes Nottuln. Schon im Herbst 1748 war als Verwaltungszentrum für den Amtmann des Stiftes die Alte Amtmannei errichtet worden. Das ursprünglich nur eingeschossige Haus wurde 1784 von Schlauns Schüler Boner durch ein zweites Geschoss mit einem großen Dach darüber erweitert. Die Amtmannei ist der architektonische Eckpfeiler des barocken Ortskerns im Osten und dominierend für die untere Stiftsstraße. Das Haus ist heute Kulturzentrum der Gemeinde.
Schlaun plante auch mehrere Nebengebäude, die Straßenanlage, die Mühle mit Back- und Brauhaus und südlich der Allee ein großes Vieh- und Backhaus, welches aber nie realisiert wurde. Auch die Kirche wurde nach seinen Entwürfen repariert. Sie erhielt ihr neues Walmdach, übrigens eine Notkonstruktion, die bis heute hält, sodann die schöne Barockhaube von den Zimmerleuten Thewes und Doerenthal aus Hamm und Werl. Schlaun hat sie entworfen und diese "welsche Haube" mit Kuppel und Laterne ist heute in der hügeligen Landschaft der Baumberge ein weithin sichtbares, individuelles Erkennungszeichen und bleibt den vielen Touristen, die auch Nottulns gute Gastronomie oder die älteste Blaudruckerei in NRW besuchen, in deutlicher Erinnerung.
Aus der Hand des größten Barockbaumeisters Westfalens stammt das einzigartige Stiftsdorf Nottuln, das Schlaun zu seinem 300 Geburtstag ein eigenes Denkmal setzte, welches im September 1995 vor der Aschebergschen Kurie aufgestellt wurde.
1803 kam das Stift Nottuln mit einem Teil der Bauerschaften an Preußen, das bereits eine Säkularisierungskommission einsetzte. Die endgültige Auflösung des Stifts erfolgte während der französischen Besetzung im Jahre 1811. Der Grundbesitz des ehemaligen Klosters wurde verkauft, die Einrichtungen gingen weitgehend in Privathand über. Nottuln blieb im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vorwiegend agrarisch geprägt. Aber auch industrielle Textilverarbeitung, ausgehend von der langen Tradition der Leinenweberei und des Blaudrucks, spielt bis in die siebziger Jahre unseres Jahrhunderts eine entscheidende Rolle.

Nottuln - ein Musterbeispiel barocker Stadtplanung und Architektur hat sich bis in die Gegenwart erhalten - und dieses Niveau soll auch weiterhin bewahrt bleiben. Dies zeigen unter anderem die behutsamen Planungen zur Gestaltung des Ortskerns. So wurden in den letzten Jahren nicht nur die historischen Gebäude saniert und mit neuem Leben gefüllt, sondern auch die Große Allee wiederhergestellt.
Der Stiftsplatz besitzt mit seinen Lindenbäumen eine einzigartige Atmosphäre, im Schatten der Bäume spürt man barocke Stadtplanung hautnah: klassische Ordnung, Heiterkeit, Offenheit und Leichtigkeit.
Die besondere Eigenheit des progressiven Nottulns gründet sich heute vielmehr im gelungenen Miteinander von Historie und Moderne, von einer nahezu musealen, barocken Ortsplanung, in der auch urbanes Business allgegenwärtig ist.
Die Ortsteile:
Die historischen Wurzeln der Ortsteile Appelhülsen, Darup und Schapdetten reichen in das 10./11. Jahrhundert zurück.
Die Entstehung Appelhülsens geht auf eine Gründung des Hofes Oppenhulisa mit direkter Anbindung an Kollegialstift Alter Dom zu Münster zurück. Zeitweise sind die Herren von Schonebeck Lehnsherren der Gemeinde. Im Laufe der Jahrhunderte wird Appelhülsen von vielen Verwüstungen kriegerischer Art und zahlreichen Bränden heimgesucht. Allein zwischen 1677 und 1814 wird das Dorf dreimal in Asche gelegt. 1822 wird die völlig neu errichtete Kirche fertiggestellt, 1885 erhält diese ihre heutiges Aussehen. Die großzügige Hofanlage im Zentrum, in unmittelbarer Nähe zur Kirche, Schulze Frenking, wurde liebevoll restauriert und ist heute Kulturzentrum der Gemeinde Nottuln.
Darup
ist aus einer bäuerlichen Siedlung entstanden. Die Pfarrkirche mit dem Kirchspiel
wird als bischöfliche Eigenkirche erstmals 1188 erwähnt. Noch heute birgt die Kirche
eine unschätzbare Kostbarkeit mittelalterlicher Malerei: Die Mitteltafel eines
Flügelaltares mit figurenreicher Kreuzigung und Passionsdarstellungen aus der Zeit um
1430. Die Szene des Auferstehungsbildes, wie alle in warmem Kolorit und sehr feiner
Darstellung, ist in der christlichen Kunst des Abendlandes fast ohne Beispiel. Der
unbekannte, nach dem Altar benannte Meister des Daruper Altars ist ein etwas jüngerer
Zeitgenosse Konrads von Soest, dessen Werkstattsitz in Münster vermutet wird.
Zu den Kleinodien Darups zählt auch die malerisch gelegene Daruper Kapelle und das Haus Darup, Sitz des ersten Landrates des Kreises Coesfeld, von Bönninghausen.

Pfarrkirche Ss. Fabian und Sebastian, Darup
Blick auf den
Ort Darup
Schapdetten
wurde um 1122 als Eigenkirche des Klosters Fulda gegründet, die Pfarre ist erst 1313
nachweisbar. In der Folgezeit entwickelte sich der Ort, in dessen unmittelbarer Nähe auf
dem Laerbrock im Mittelalter der Landtag des Bistums Münster zu tagen pflegte, dem
Kloster in Nottuln abgabenpflichtig. Im 15. Jahrhundert erhält die kleine romanische
Dorfkirche mit dem ungegliederten Westturm des 12. Jahrhunderts mit
Renaissance-Treppengiebel ihren Anbau nach Osten.
Hinweis: Sehenswürdigkeiten Nottulns
Durch die kommunale Neugliederung des Raumes Münster / Hamm wurden am 1.1.1975 die bis dahin selbständigen Gemeinden Appelhülsen, Darup, Limbergen, Nottuln und Schapdetten zur Gemeinde Nottuln zusammengeschlossen.
Nottuln zählt heute zu den prosperierenden Wachstumsgemeinden und ist infrastrukturell für die Zukunft bestens gerüstet: gut erschlossene Wohn- und Neubaugebiete in allen Ortsteilen dokumentieren eine familienfreundliche Politik, das neue, städtebauliche Maßstäbe setzende Gymnasium komplettiert das Schulangebot und ergänzt mit Theaterforum und Mehrzweckhalle das umfangreiche Kulturangebot mit seinen Kulturzentren "Alte Amtmannei" und Bürgerzentrum "Schulze Frenking" in Appelhülsen. Aber auch für Industrie, Gewerbe und auch High-Tech ist das barocke Nottuln bestens gerüstet: moderne und voll erschlossene Gewerbegebiete bieten gute Standortfaktoren wie z.B. direkter Autobahnanschluss, niedrige Gewerbesteuern usw. und schaffen dadurch ideale Bedingungen für Ansiedlungs- und Expansionsmöglichkeiten.
Nottuln hat noch mehr zu bieten:
Nottuln und seine Ortsteile verfügen über eine Vielzahl von Sehenswürdigkeiten - von naturräumlich faszinierenden Begebenheiten wie Bachschwinden im Karstgestein der Baumberge und Tuffterrassen in den Gewässern bis hin zu Zeugen einer Jahrtausende alten Kulturgeschichte.
Besonders zu nennen sind noch die Speichergebäude, v.a. der Spieker Vehoff in Nottuln, aber auch die schönen Speichergebäude in Heller (Schulze Hauling), Stevern (Schulze Westerath, ursprünglich Schulze Stevermann sowie Schulze Tilling), und Uphoven (Schulze Bisping, ursprünglich Schulte Westerode).
Sind Sie neugierig geworden und wünschen weitere Informationen?
- Dann wenden sie sich bitte an Ihre Gemeinde Nottuln, Stiftsplatz 7, 48301 Nottuln, Tel.
02502 / 942-0, wir helfen Ihnen gerne weiter.
Historisch
interessiert?
- Sind Sie auf der Suche nach historischen Informationen für Ihre
Familienforschung, für Ihre Vereinsarbeit, für wissenschaftliche Forschungsansätze,
für Haus-, Examens-, Magisterarbeiten oder Dissertationen? Unser Archiv hilft Ihnen gerne
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