22.12.2017

Was gespielt wird, steht im Fenster

2004 wurde das Glockenspiel an den Giebel der Aschebergschen Kurie montiert/ Geschenk des Nottulner Heimatvereins an die Gemeinde


2004 wurde das Glockenspiel an den Giebel der Aschebergschen Kurie montiert. Es ist ein Geschenk des Heimatvereins an die Gemeinde Nottuln gewesen. Foto: Gemeinde Nottuln

Den Anfang macht „O du Fröhliche“.  Pünktlich um 10.10 Uhr setzt sich das Glockenspiel in der Giebelwand der Aschebergschen Kurie in Gang. Mal flink, mal langsam und moderat, je nachdem wie es Melodie und Takt erfordern, schlagen die Glockenklöppel gegen kleine und große Bronzeglocken und lassen so weithin hörbar das alte Weihnachtslied erklingen, das die Geburt Christi besingt. 
Dieser Vorgang wiederholt sich noch dreimal am Tag.
Und mit unterschiedlichen Melodien.
Während um 12.10 Uhr „Es ist ein Ros entsprungen” ertönt, spielt das Glockenspiel um 14.15 Uhr „Es kommt ein Schiff geladen”. Die letzte Melodie des Tages hat um 18.15 Uhr Matthias Claudius' „Der Mond ist aufgegangen” zum Thema.
Und das tanzt jahreszeitlich gesehen im Augenblick genauso aus der Reihe wie der „Nottulner Sängergruß”, der samstags und sonntags jeweils um 12.30 Uhr zum Zuhören einlädt.
Die anderen Melodien, die das Glockenspiel namens „Perconta” aus dem Hause der Glockengießerei Petit& Gebrüder Edelbrock aus Gescher spielt, passen hingegen genau in die Advents- und Weihnachtszeit. Seit 2004 gehört das Glockenspiel mit seinen 16 Glocken, deren Tonhöhe vom „kleinen G” bis zum „zweigestrichenen E''” reicht, zum historischen Ortskern wie die Kuriengebäude.
Damals machte der Heimatverein das programmierbare Musikinstrument der Gemeinde Nottuln zum Geschenk. Eine kleine Bronzeplakette, die vor der Giebelseite der Aschebergschen Kurie in den Boden eingelassen ist, gibt genaueren Aufschluss über dieses besondere Geschenk und seine Sponsoren. 
Während die meisten Nottulner wohl nicht mehr so genau hinhören, welche Melodie da gerade so gespielt wird, ist die Musik, die da vom Giebel der Aschebergschen Kurie ertönt, für so manchen Gast des Stiftsdorfes hingegen ein Grund genauer hinzuhören. Und wer genau wissen will, was wann gespielt wird, der kann in eines der unteren Fenster des Kuriengebäudes gucken. Dort steht ein kleines Kärtchen mit der Liederliste. 
Bis zu 40 Lieder sind in dem „feinmechanischen Spielwerk und im elektromagnetischen Steuerungssystem mit seinen Magnethammerwerken” , wie es in der technischen Beschreibung des Glockenspiels heißt, abgespeichert. Per Knopf- und Tastendruck werden sie aktiviert oder es können neue Melodien abgespeichert werden.
Das Herzstück des Glockenspiels befindet sich auf dem Speicher der Aschebergschen Kurie und ist nicht ganz so einfach zu bedienen.
Des öfteren gebärde sich das System geradezu wie eine Diva, weiß Wolfgang Heyn von der Stabsstelle für Marketing, Touristik, Archiv, Städtepartnerschaft & Onlineredaktion: „Es ist sehr sensibel und manchmal braucht es mehrere Anläufe, bis die Perconta das spielt, was sie spielen soll.” 
Er betreut das Glockenspiel, sieht regelmäßig nach dem Rechten und stellt die Perconta-Hitliste je nach Jahreszeit oder Anlass immer wieder neu zusammen. Aber eines kann die Glockenspiel-Diva ganz allein: „Sie reagiert automatisch auf die Umstellung von Sommer- auf Winterzeit und umgekehrt", weiß Wolfgang Heyn. Bekommt sie das Funksignal doch von der Atomuhr der physikalisch- technischen Bundesanstalt in Braunschweig.
„Wenn die Perconta also um  zehn nach zehn anfängt zu spielen, dann ist es auch tatsächlich auf die Sekunde so spät”, sagt Wolfgang Heyn, „da kann man die Uhr nach stellen.”


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